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Graugans & DSGVO

Pünktlich mit Inkrafttreten der DSGVO am 25. Mai 2018 wird es auf der Graugans einige Änderungen geben. Dazu an dieser Stelle ein paar Erläuterungen:

Die »Graugans« ist ein »selbstgehosteter Weblog« – alle Blogs auf wordpress.com sind Teil eines gemeinsamen Social Networks …

Der Vorteil unserer WordPress-Variante ist eine im Wesentlichen Unabhängigkeit von  Konzernen. WordPress ist eine kostlose Software, die von der Firma Automattic bzw. durch den WordPress-Erfinder Matt Mullenweg kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Der Quellcode ist frei zugänglich, wodurch jeder Entwickler WordPress weiterentwickeln kann – die Weiterentwicklungen sollen jedoch wieder allen zur Verfügung gestellt werden. Was man für diese Variante benötigt, ist ein eigener Webserver und zumindest rudimentäres Know-How wie man WordPress installiert und später auch wartet. Das, was man installiert, ist letzten Endes eine ganz normale konventionelle Website – lediglich mit der Sonderfunktion der Datum-gesteuerten Artikelorganisation. Was nicht dabei ist, sind sog. SocialNetwork-Funktionen wie »Likes« und »Network-Benachrichtigungen«.

Womit verdient WordPress/Automattic sein Geld?

Das ist schnell erklärt: Automattic verfügt über große Serverkapazitäten und bietet die Möglichkeit kostenlose (einfache) WordPress-Seiten aufzusetzen. Mit dabei sind SocialNetwerk-Funktionen … ein Reader, Likes, etc. Das macht die Sache interessant, ist aber unter dem Aspekt des Datenschutzes teilweise problematisch. Über die Jahre entstand eine sehr große Community. Nichts ist aber umsonst – die Bezahlung sind die diversen Werbeeinschaltungen. Die bringen echtes Geld. Darüber hinaus wohl auch das Wissen über das Verhalten der vielen User – Stichwort »Datamining«. Zusätzlich gibt es dann noch Premium-Dienste für Business-Kunden…

Wie sieht die Verbindung zwischen der Welt der WordPress-Community und der Graugans aus?

Dazu gibt es das Jetpack-Zusatzpaket (»Widget«): Jetpack stellt die Grundfunktionen aus dem Social-Network wordpress.com auch für selbstgehostete Webseiten wie die der Graugans zur Verfügung. Nur dadurch gibt es die Funktion des »Gefällt mir« oder der E-Mail-Follower oder Gravatar auch für die Graugans. Jetpack ist sozusagen ein Hintertürchen in die WordPress.com-Welt, die des WordPress-Social-Networks.

Was für ein Problem gibt es jetzt durch die DSGVO ab dem 25. Mai?

Die DSGVO regelt jetzt erstmalig den Umgang mit personenbezogenen Daten von Grund auf. Das war schon längst überfällig. Bis 25. Mai bauen wir daher die Graugans so um, dass dieser Weblog komplett DSGVO-konform ist. Ein Impressum und eine Datenschutzerklärung wurde schon hinzugefügt, ebenso einige technische Änderungen »unter der Haube«.

Im Kern der DSGVO steht, dass von WebsitebesucherInnen ein Einverständnis eingeholt werden muß, wenn personenbezogene Daten erhoben bzw. weiterverarbeitet werden. Jetpack/wordpress.com generiert aber personenbezogene Daten, ohne dass diese wichtige Einverständnisfrage überhaupt gestellt werden kann. Der Websitebesucher kann nicht vorher gefragt werden. Deswegen ist das Jetpack-Widget in weiten Teilen nicht DSGVO-konform und wird daher auf der Graugans zum 25. Mai abgeschaltet. Dieser Schritt fällt nicht leicht, weil dadurch für das Blogging wichtige Funktionen wie z.B. die Likes und Informationen, wer aus »Bloghausen« schon da war, ebenfalls verschwinden und natürlich auch die automatische Information über neue Artikel. Die Social-Network-Funktionen fehlen daher zukünftig auf der Graugans. Die Graugans hofft aber, dass trotzdem geschätzte LeserInnen auch zukünftig vorbeischauen. Wir haben deswegen als (schwachen) Ersatz die Möglichkeit eines Browser-gestützten RSS-Feeds integriert.

Wie wird’s weitergehen?

Die DSGVO war notwendig. Jetzt stellen sich (teilweise viel zu spät) alle Akteure auf die neue Situation ein und erarbeiten Strategien, wie man mit der neuen Situation umgeht. In ein bis zwei Monaten wird es dann sicher auch ein neues DSGVO-Jetpack-Widget geben, das die jetzigen Probleme behebt. Dann sind wir wieder im Boot.

Nur ein abschließender Gedanke: Nicht die DSGVO ist das Problem, sondern der nicht transparente Umgang mit personenbezogenen Daten, die von vielen Anbietern wie wordpress.com gepflegt wurde – und: Ein mangeldes Bewußtsein zum Thema Datenschutz. Ich erinnere mich noch … in den 80er Jahren bin ich wegen der damaligen Volkszählung auf die Straße gegangen … heute sage ich »lächerlich« … und gebe freiwillig bei weitem mehr Daten von mir in der Öffentlichkeit Preis als damals in der Volkszählung abgefragt wurden!

Ein weiterer Aspekt: Ich kann nur den Schutz von meinen persönlichen Daten von großen Plattformen wie z.B. Amazon und Facebook fordern, wenn ich selbst in meinem Umfeld bereit bin, die Daten anderer zu achten und Wert zu schätzen!

Ein Gastkommentar von Herrn Graugans.